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Gründung und Entwicklung des InstitutsDas Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) ist ein interdisziplinäres und interfakultatives Forschungsinstitut der Universität Osnabrück. IMIS umschließt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus mehreren Fachbereichen – von Demographie, Geographie, Geschichte und Kunstgeschichte über Politik-, Rechts-, Wirtschafts- und Religionswissenschaften, Ethnologie und Soziologie bis zu Interkultureller Pädagogik und Interkulturellem Management, Geschlechterforschung, Sprach-, Literaturwissenschaften und Psychologie.
(v.l.n.r.: Prof. Dr. Hans-Joachim Wenzel, Dr. Albert Schmid, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Prof. Dr. Klaus J. Bade, Prof. Dr. Rainer Künzel) Unter besonderer Berücksichtigung interdisziplinärer Fragestellungen beschäftigt sich das Institut mit vielfältigen gesellschaftlichen Aspekten und Problemen von räumlicher Bevölkerungsbewegung und interkultureller Begegnung in Geschichte und Gegenwart. Dabei geht es um komplexe gesellschaftliche Prozesse mit vielgestaltigen materiellen und immateriellen Komponenten und Wechselbezügen. Sie reichen im Falle der Migration von der Ausgliederung in den Ausgangsräumen bis zur Eingliederung in den Zielräumen und von den Bestimmungsfaktoren, Entwicklungsbedingungen und Folgewirkungen von Migration für beide Räume bis zu der durch das internationale oder interregionale Entwicklungsgefälle bestimmten Spannung zwischen solchen Räumen, die eine wesentliche Ursache des weltweiten Wanderungsgeschehens ist. Interkulturelle Probleme und das Bemühen um die Förderung interkultureller Kompetenz zählen aber auch ohne den Hintergrund von Migrationsprozessen zu den Frage- und Aufgabenstellungen des Instituts. Die Anfänge des IMIS haben auch mit der wissenschafts- und gesellschaftsgeschichtlichen Situation der späten 1980er und frühen 1990er Jahren zu tun: Die Vorgeschichte des Instituts begann schon Ende der 1980er Jahre mit Überlegungen des Historikers Prof. Dr. Klaus J. Bade, die auch in der Bundesrepublik expandierende historisch-sozialwissenschaftliche Migrationsforschung interdisziplinär einzubetten und überregional zu organisieren. In den gleichen Kontext gehörten aus der praktischen Beratungserfahrung stammende, von Prof. Dr. Bade in verschiedene Kooperationszusammenhänge eingebrachte Konzepte zu einem »doppelten Dialog« – interdisziplinär sowie zwischen Wissenschaft und Praxis –, um Forschungsvorhaben zu koordinieren, Ergebnisse zu bündeln und erreichbar zu machen. Es ging um die Förderung interkultureller Kompetenz in den Problemfeldern von Migration und Integration im allgemeinen, konkret in der Begegnung von Mehrheit und Minderheiten in der Einwanderungssituation. Hintergrund war die Anfang der 1990er Jahre immer erkennbarer zutage tretende Ratlosigkeit von Politik, aber auch die Sprachlosigkeit zwischen Wissenschaft und Politik. Der scharfe Anstieg der Zuwandererzahlen im Vereinigungsprozeß, der Mangel an gesellschaftspolitischen Konzepten für die Gestaltungsaufgaben in der Einwanderungsgesellschaft sowie schließlich die fremdenfeindlichen Exzesse im Deutschland der frühen 1990er Jahre verstärkten auch andernorts die in diese Richtung zielenden Bemühungen. Im Juni 1989 wurde an der Universität Osnabrück der »Arbeitskreis Migrationsforschung und Interkulturelle Studien« gegründet. Die Gruppe traf sich in regelmäßigen Abständen zu interdisziplinären Arbeitsgesprächen sowie zur Organisation einschlägiger Veranstaltungen an der Universität und bereitete langfristig eine Institutsgründung vor. Als interdisziplinäre und interfakultative Forschungsstätte wurde das Institut im Juni 1991 durch Erlaß des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur eingerichtet, umd im November 1991 wurde es mit einem Festakt in der Aula des Schlosses offiziell eröffnet. Der Weg vom Arbeitskreis zum Institut wurde durch wichtige Starthilfen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, der Volkswagen-Stiftung und der Freudenberg Stiftung gefördert. Die Bereitschaft, IMIS zu unterstützen, hatte anfangs nicht zuletzt auch mit den konfliktreichen Zeitumständen zu tun. Im Hintergrund standen die Asylhysterie, die Exzesse auf Deutschlands Straßen 1992/93 und das, was Bundeskanzler Helmut Kohl im November 1992 als »Staatsnotstand in Migrationsfragen« bezeichnete. Vor dieser dramatischen gesellschaftlichen Kulisse hatte sich das Institut mit einer ganzen Reihe von klärenden Publikationen und Initiativen nachdrücklich in die öffentliche Diskussion eingeschaltet, der Vorstellung eingedenk, das dem Verständnis von Universität als gesellschaftlicher Veranstaltung eine Pflicht zu verantwortlichem gesellschaftlichen Engagement in den entsprechenden Forschungsrichtungen entspricht. Besonders weite Beachtung im In- und Ausland fand in diesem Zusammenhang das 1994 herausgegebene »Manifest der 60: Deutschland und die Einwanderung«, in dem 60 deutsche Professorinnen und Professoren der verschiedensten Disziplinen dazu aufriefen, an die Stelle der prekären Mischung von Improvisation und Sozialreparatur endlich umfassende und integrale gesellschaftspolitische Gestaltungskonzepte für die Bereiche von Zuwanderung und Eingliederung treten zu lassen. Das Institut war von Beginn an als ein überregionales und internationales Zentrum multidisziplinärer Begegnung und interdisziplinärer Forschung gedacht. Dazu sollten entsprechende Bibliotheksbestände und Räume für Forschungsprojekte und Doktoranden geschaffen werden. Ein entscheidender Schritt zur Etablierung einer solchen, für internationale und interdisziplinäre Forschungskooperation wichtigen Struktur ergab sich 1993 im Zusammenhang mit Verhandlungen von Prof. Dr. Bade mit der Universität Osnabrück und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Seither verfügt das Institut über ein mit zwei Kräften besetztes Sekretariat, Haushaltsmittel für Hilfskräfte und Forschungsaktivitäten sowie Sondermittel zum Aufbau der Institutsbibliothek. Als internationale Begegnungsstätte interdisziplinärer Forschung kann das Institut seit dem Umzug in ein neues Gebäude 1996 zugleich mehrere Arbeitsplätze für auswärtige Gäste mit eigenen Stipendien bieten, die sich hier für einen Zeitraum von einigen Wochen bis zu 2 oder 3 Jahren ganz auf ihre Forschungsvorhaben konzentrieren können. Die modernen elektronischen Hilfsmittel stehen ihnen dabei ebenso zur Verfügung wie die Institutsbibliothek. Von diesem Angebot hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Forscherinnen und Forschern aus dem europäischen Ausland, aber auch aus den Vereinigten Staaten, aus Australien, Japan und China mit Hilfe von Stipendien u.a. der Alexander von Humboldt-Stiftung, des DAAD und ausländischer Stiftungen profitiert. Mehr als zehn Jahre interdisziplinär ausgerichteter wissenschaftlicher Arbeit und kritischen öffentlichen Engagements haben das Osnabrücker Institut zu einer national und international anerkannten Einrichtung werden lassen, die in der wissenschaftlichen, politischen und öffentlichen Diskussion mancherlei Spuren hinterlassen hat. Die Forschungsthemen Migration, Integration und die interkulturelle Begegnung zwischen Mehrheiten und Minderheiten waren in der Vergangenheit und bleiben auch in Zukunft wichtige Problembereiche und Gestaltungsaufgaben gesellschaftlichen Zusammenlebens. IMIS wird durch seine Forschungsarbeit, seine Publikationen, seine öffentlichen Veranstaltungen und die wissenschaftliche Beratungstätigkeit seiner Mitglieder auch weiterhin seinen Beitrag zu leisten suchen zur Verdichtung und Vernetzung der interdisziplinären Arbeit sowie zum Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. |